Sonntag, 30. September 2012

Portsmouth Klappe die Erste :)



200 m über dem Meer, ganz schön gruselig^^




Ein sonniger Tag auf der Isle of Wight

Kurz vor dem ersten Sturzregen
Meine Eramus-Homies
Viele 
Leute haben mich gefragt, wie ich auf die verquere Idee kommen konnte, gerade im Winter für ein Semester nach England zu gehen. Ich habe darauf immer nur frech geantwortet: "Naja der in Winter in Deutschland ist auch scheiße, da ist es ja egal wo ich hingehe!". So viel dazu^^ Nun bin ich mittlerweile seit drei Wochen in Portsmouth und ich muss sagen, ich lag falsch! Nachdem ich am Sonntag beim Überqueren der Straße beinahe ertrunken wäre (als ob der Linksverkehr nicht schon gefährlich genug wäre!), fällt meine Meinung zumindest über den deutschen Herbst ein bisschen milder aus! Auch wenn ich in den ersten Wochen noch hämisch zuhause erzählt habe, dass wir hier andauernd Sonnenschein haben und, dass die Vorurteile über den britischen Dauerregen völlig übertrieben seien, wurde ich letztes Wochenende eines Besseren belehrt (die erste Reaktion darauf war, dass ich mir ein paar Gummistiefel gekauft habe, die sind wirklich nützlich, wenn das Wasser auf der Straße mal wieder 20 cm hoch steht!). Trotz allem genieße ich es wirklich hier zu sein und habe mich nach anfänglichen Wohnungssuche-Schwierigkeiten gut eingelebt. Ich wohne nun mit drei anderen Erasmus-Mädels (einer Dänin, deren Namen ich immer noch nicht richtig aussprechen kann^^, einer Italienerin und einer Deutschen) zusammen in einer 4-Zimmerwohnung ganz in der Nähe der Uni und des Stadtzentrums. Und auch wenn es etwas quälend ist, jeden Tag die gefühlten 1000 Stufen bis in den dritten Stock hinaufzusteigen, tröste ich mich immer wieder mit dem Gedanken, dass so wenigstens ein Teil des Pub-Essens nicht auf meinen Rippen landet (dass das englische Essen per se ungenießbar ist, ist übrigens wirklich ein Gerücht!). Letzten Montag ging dann auch die Uni los und seitdem besuche ich fleißig alle Psychologie-Vorlesungen, um herauszufinden, welche für mich am sinnvollsten sind. Seit letzter Woche habe ich sogar ein Thema und eine Betreuerin für meine Bachelorarbeit, worüber ich richtig glücklich bin! :) Hier in Portsmouth gibt es einen Lehrstuhl für Vergleichende und Evolutionspsychologie und ich habe das große Glück, an einer Studie mit Menschenaffen (Siamangs, eine malayische Gibbonart) mitforschen zu dürfen! Wir beobachten die lustigen Tierchen, wie sie miteinander mulitmodular kommunizieren (das ist ein schlauer Ausdruck für die Kombination von Vokalisierung und Gesten) und analysieren das Ganze dann mit einem bestimmten Programm. Ich werde in meiner Arbeit dann die Kommunikationsweise der Siamangs mit der multimodularen Kommunikation beim Menschen vergleichen. Ich bin echt total begeistert von meinem Projekt und meine Mitbewohner ziehen schon vorsichtshalber die Köpfe ein wenn das Wort Affe fällt, weil ich ihnen sonst zu 1000 Mal erzähle wie cool das alles ist^^
Insgesamt bin ich hier wirklich zufrieden mit allem, auch wenn ich immer mal wieder Deutschland und natürlich euch ganz schön vermisse! Man trifft hier ziemlich viele Menschen, meistens andere Erasmusstudenten und mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden, dass ich während meiner Zeit hier relativ viel mit anderen Ausländern und nicht viel mit britischen Studenten zu tun haben werde. Ich habe das Gefühl, dass die Leute aus der Uni alle ziemlich verschlossen sind und englische Studenten insgesamt einen Lebensstil verfolgen, mit dem ich mich nicht so wirklich identifizieren kann: zu viel Alkohol und Rumgegröle auf der Straße^^ und selbst wenn ich wollte könnte ich bei 17° C Außentemperatur und Nieselregen einfach nicht nur in Hotpants und BH rumlaufen. Davon mal abgesehen, bin ich oft überwältigt von der Höflichkeit der Menschen hier! Da könnten sich so manche fränkische Supermarktangestellte gleich zwei Scheiben abschneiden! =) Was mich hier immer wieder erstaunt, ist wie multikulturell hier alles ist und wie man sich bemüht mit allem so „politicallly correct“ umzugehen. In der Uni gibt es neben einer Kapelle auch Gebetsräume für Muslime und Angehörige anderer Religionen, mit dazugehörigen Waschräumen für ihre rituellen Waschungen (findet sowas mal an der Uni Würzburg!), die großen Supermärkte sind voll mit indischen Lebensmitteln und bei einer größeren Hinduhochzeit kann es schonmal vorkommen, dass der Marktplatz komplett gesperrt ist .Und trotz der äußerlichen Integrationsversuche, habe ich hier noch viel mehr das Gefühl, dass die eigenen Nationalitäten lieber unter sich bleiben. Die Pakistanis und Malayen auf der einen Seite, die weißen Briten auf der anderen und nicht zu schweigen von den Massen an Chinesen, die in der Uni ihre eigene Student Society haben, eine eigene Kirche und die hauptsächlich in den unzähligen asiatischen Supermärkten einkaufen. Diese Woche habe ich eine ganz besondere Erfahrung zu diesem Thema gemacht. Ich bin auf der Suche nach einem Chor und bin deshalb zu den Kennenlerntreffen von zwei verschiedenen Unichören gegangen. Montags war ich bei der Showchoir- Society, einem ziemlich lustigen verrückten Haufen, die Musik a lá Glee machen, viele Mash-ups zu aktuellen Hits singen und so. Am Donnerstag war ich beim Uni Gospel Choir und ich war begeistert von der Stimmgewalt und deren Freude am Singen. Das Erstaunliche war nur, dass ich unter 30 Mitgliedern, abgesehen von einem bulgarischen Mädchen, die einzige Weiße war! Ich meine, Gospelmusik ist natürlich historisch gesehen eher „schwarz“ und amerikanische Showchoirmusik vielleicht eher weiß, aber wie kann es denn sein, dass sich an einer Uni mit 20.000 Studenten kein einziger weißer Brite in die Gospel Choir Society verirrt und ein kein einziger Farbiger in den Showchoir? Ich habe beschlossen beim Gospelchor mitzumachen, um deren Profil ein bisschen aufzumischen und vor allem weil sie einfach gesanglich unglaublich sind! Und bis jetzt wurde ich trotz meiner Weißbrotstimme noch nicht rausgeworfen =) Ich könnte euch noch viel mehr erzählen, werde das aber auf das nächste Mal verschieben, weil ich weiß, dass zu lange Blogeinträge einfach langweilig sind und wenn jemand noch genaueres wissen möchte kann er/sie sich einfach bei mir melden. =)

Küsschen von der Insel
Eure Sarah