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| 200 m über dem Meer, ganz schön gruselig^^ |
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| Ein sonniger Tag auf der Isle of Wight |
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| Kurz vor dem ersten Sturzregen |
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| Meine Eramus-Homies |
Viele
Leute
haben mich gefragt, wie ich auf die verquere Idee kommen konnte, gerade im
Winter für ein Semester nach England zu gehen. Ich habe darauf immer nur frech
geantwortet: "Naja der in Winter in Deutschland ist auch scheiße, da ist
es ja egal wo ich hingehe!". So viel dazu^^ Nun bin ich mittlerweile seit
drei Wochen in Portsmouth und ich muss sagen, ich lag falsch! Nachdem ich am
Sonntag beim Überqueren der Straße beinahe ertrunken wäre (als ob der
Linksverkehr nicht schon gefährlich genug wäre!), fällt meine Meinung zumindest
über den deutschen Herbst ein bisschen milder aus! Auch wenn ich in den ersten
Wochen noch hämisch zuhause erzählt habe, dass wir hier andauernd Sonnenschein
haben und, dass die Vorurteile über den britischen Dauerregen völlig
übertrieben seien, wurde ich letztes Wochenende eines Besseren belehrt (die
erste Reaktion darauf war, dass ich mir ein paar Gummistiefel gekauft habe, die
sind wirklich nützlich, wenn das Wasser auf der Straße mal wieder 20 cm hoch
steht!). Trotz allem genieße ich es wirklich hier zu sein und habe mich nach
anfänglichen Wohnungssuche-Schwierigkeiten gut eingelebt. Ich wohne nun mit
drei anderen Erasmus-Mädels (einer Dänin, deren Namen ich immer noch nicht
richtig aussprechen kann^^, einer Italienerin und einer Deutschen) zusammen in
einer 4-Zimmerwohnung ganz in der Nähe der Uni und des Stadtzentrums. Und auch
wenn es etwas quälend ist, jeden Tag die gefühlten 1000 Stufen bis in den dritten
Stock hinaufzusteigen, tröste ich mich immer wieder mit dem Gedanken, dass so
wenigstens ein Teil des Pub-Essens nicht auf meinen Rippen landet (dass das
englische Essen per se ungenießbar ist, ist übrigens wirklich ein Gerücht!).
Letzten Montag ging dann auch die Uni los und seitdem besuche ich fleißig alle
Psychologie-Vorlesungen, um herauszufinden, welche für mich am sinnvollsten
sind. Seit letzter Woche habe ich sogar ein Thema und eine Betreuerin für meine
Bachelorarbeit, worüber ich richtig glücklich bin! :) Hier in Portsmouth gibt
es einen Lehrstuhl für Vergleichende und Evolutionspsychologie und ich habe das
große Glück, an einer Studie mit Menschenaffen (Siamangs, eine malayische
Gibbonart) mitforschen zu dürfen! Wir beobachten die lustigen Tierchen, wie sie
miteinander mulitmodular kommunizieren (das ist ein schlauer Ausdruck für die
Kombination von Vokalisierung und Gesten) und analysieren das Ganze dann mit
einem bestimmten Programm. Ich werde in meiner Arbeit dann die Kommunikationsweise
der Siamangs mit der multimodularen Kommunikation beim Menschen vergleichen.
Ich bin echt total begeistert von meinem Projekt und meine Mitbewohner ziehen
schon vorsichtshalber die Köpfe ein wenn das Wort Affe fällt, weil ich ihnen
sonst zu 1000 Mal erzähle wie cool das alles ist^^
Insgesamt bin ich hier
wirklich zufrieden mit allem, auch wenn ich immer mal wieder Deutschland und
natürlich euch ganz schön vermisse! Man trifft hier ziemlich viele Menschen,
meistens andere Erasmusstudenten und mittlerweile habe ich mich auch damit
abgefunden, dass ich während meiner Zeit hier relativ viel mit anderen
Ausländern und nicht viel mit britischen Studenten zu tun haben werde. Ich habe
das Gefühl, dass die Leute aus der Uni alle ziemlich verschlossen sind und
englische Studenten insgesamt einen Lebensstil verfolgen, mit dem ich mich
nicht so wirklich identifizieren kann: zu viel Alkohol und Rumgegröle auf der
Straße^^ und selbst wenn ich wollte könnte ich bei 17° C Außentemperatur und
Nieselregen einfach nicht nur in Hotpants und BH rumlaufen. Davon mal abgesehen,
bin ich oft überwältigt von der Höflichkeit der Menschen hier! Da könnten sich
so manche fränkische Supermarktangestellte gleich zwei Scheiben abschneiden! =) Was mich hier immer wieder erstaunt, ist wie multikulturell hier alles ist
und wie man sich bemüht mit allem so „politicallly correct“ umzugehen. In der
Uni gibt es neben einer Kapelle auch Gebetsräume für Muslime und Angehörige
anderer Religionen, mit dazugehörigen Waschräumen für ihre rituellen Waschungen
(findet sowas mal an der Uni Würzburg!), die großen Supermärkte sind voll mit
indischen Lebensmitteln und bei einer größeren Hinduhochzeit kann es schonmal
vorkommen, dass der Marktplatz komplett gesperrt ist .Und trotz der äußerlichen
Integrationsversuche, habe ich hier noch viel mehr das Gefühl, dass die eigenen
Nationalitäten lieber unter sich bleiben. Die Pakistanis und Malayen auf der
einen Seite, die weißen Briten auf der anderen und nicht zu schweigen von den
Massen an Chinesen, die in der Uni ihre eigene Student Society haben, eine
eigene Kirche und die hauptsächlich in den unzähligen asiatischen Supermärkten
einkaufen. Diese Woche habe ich eine ganz besondere Erfahrung zu diesem Thema
gemacht. Ich bin auf der Suche nach einem Chor und bin deshalb zu den Kennenlerntreffen
von zwei verschiedenen Unichören gegangen. Montags war ich bei der Showchoir-
Society, einem ziemlich lustigen verrückten Haufen, die Musik a lá Glee machen,
viele Mash-ups zu aktuellen Hits singen und so. Am Donnerstag war ich beim Uni
Gospel Choir und ich war begeistert von der Stimmgewalt und deren Freude am
Singen. Das Erstaunliche war nur, dass ich unter 30 Mitgliedern, abgesehen von
einem bulgarischen Mädchen, die einzige Weiße war! Ich meine, Gospelmusik ist
natürlich historisch gesehen eher „schwarz“ und amerikanische Showchoirmusik
vielleicht eher weiß, aber wie kann es denn sein, dass sich an einer Uni mit 20.000 Studenten kein einziger weißer Brite in die Gospel Choir Society verirrt
und ein kein einziger Farbiger in den Showchoir? Ich habe beschlossen beim
Gospelchor mitzumachen, um deren Profil ein bisschen aufzumischen und vor allem
weil sie einfach gesanglich unglaublich sind! Und bis jetzt wurde ich trotz
meiner Weißbrotstimme noch nicht rausgeworfen =) Ich könnte euch noch viel mehr erzählen, werde
das aber auf das nächste Mal verschieben, weil ich weiß, dass zu lange
Blogeinträge einfach langweilig sind und wenn jemand noch genaueres wissen möchte kann er/sie sich einfach bei mir melden. =)
Küsschen von der Insel
Eure Sarah